Totengedenkbretter

Totengedenkbretter heute: farbenfrohes Gedenken

von Claus Maywald

Die meisten Friedhöfe sind geprägt von klassischen Grabsteinen oder -kreuzen. Eine Alternative und individuelles Symbol des persönlichen Gedenkens ist die alte Tradition des Totengedenkbretts, das sogar selbst gestaltet werden kann.

Das Totenbrett hat seine Wurzeln im Süddeutschland des 19. Jahrhunderts. Hier wurde es zunächst zur Aufbahrung in der Wohnstube und als Transportbrett zur Grabstätte verwendet. Zusammen mit dem in ein Leinentuch gewickelten Leichnam wurde es ursprünglich vergraben, verbrannt oder für weitere Todesfälle aufbewahrt. So etablierte sich der der Ausdruck „Brettrutschen“ fürs Sterben, da man die Bretter auch dazu benutzte, den Leichnam ins Grab herabgleiten zu lassen.

Totengedenkbrett von Claus Maywald

Claus Maywald Totenbrett

Totenbrett und Totengedenkbrett

Losgelöst von den genannten Funktionen entwickelten sich die Bretter im südöstlichen Oberbayern zu vergleichsweise schmaleren und kürzeren Gedenkbrettern. Sie wurden zur individuellen Erinnerung an Verstorbene oder mit Sinn- und Gedenksprüchen zum Totengedenken am Wegrand aufgestellt, finden sich aber auch auf  Friedhöfen oder in Kapellen.

Claus Maywald Totenbrett Claus Maywald Totenbrett

Totengedenkbretter in der Nähe von Viechtach (Bayerischer Wald) Quelle: Von Aconcagua – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4145187 Von Aconcagua – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4145178

Wurden anfangs nur drei Kreuze in das Holz geschnitzt, gebrannt oder aufgemalt, setzte sich mit Texten und Gedichten zum Lob des Verstorbenennach und nach eine persönlichere Gestaltung durch. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts schwand der Volksglaube, die Seele des Toten finde erst dann Erlösung, wenn sein Totenbrett verfallen ist. Die Bretter wurden mit Schnitzereien und Malereien künstlerisch und individuell gestaltet – beste Voraussetzungen für eine Renaissance dieser Tradition.

Totengedenkbretter heute

Ein Totengedenkbrett selbst oder gemeinsam mit anderen herzustellen und im Gedenken zu gestalten, kann Hinterbliebene bei der Trauerarbeit unterstützen. Auf dem Friedhof in Alzey stehen aktuell zwei Totengedenkbretter auf einem Doppelgrab. Sie wurden von den Angehörigen selbst gestaltet geben dem Grab durch ihre Farbigkeit eine ungewöhnlich leichte und dennoch würdige Stimmung.

Workshops zur Herstellung von Totengedenkbrettern

Der Trauerbegleiter, Trauerredner und Bestatter Dr. Claus Maywald bietet Kurse in der Herstellung von Gedenkbrettern an: clausmaywald@googlemail.com

Claus Maywald Totenbrett

Erinnerungsbretter am Wegesrand Bild von Frantisek Kratky (1851-1924) Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3742562

Claus Maywald Totenbrett

Zwei Totengedenkbretter auf dem Friedhof in Alzey